9. Juni 2016

Bilderberg – Ein schmaler Grad

Mehrere Wochen lang habe ich hier von meinen Recherchen zu meinem nächsten Buch berichtet. “Die Macht hinter der Macht” (Arbeitstitel) bezieht sich auf Tatsachen, die nach dem sie ans Tageslicht kamen bis heute wie unglaubliche Verschwörungstheorien anmuten. Aber es sind Tatsachen. Die Vertuschungen des Verfassungsschutzes bei RAF-Anschlägen, den NSU Morden und die Etablierung von den Vernetzungen der “Big Data” im Hintergrund des alles bestimmenden Thema “Flüchtlinge”.

Was mir aufgefallen ist - und ich habe das bei vielen der besprochenen Medien auch so klargestellt – ist der schmale Grad zwischen diesen Tatsachen und den vielen Interpretationsmöglichkeiten. Die Wahrheit ist ein schmaler Grad zwischen unzähligen Verschwörungstheorien. Aber eine dieser Theorien ist wahr. Eine dieser Theorien wähle ich auch für meine Geschichte. Es soll die sein, die am plausibelsten ist. Und eine Theorie ist meine Geschichte nur aus einem einzigen Grund: der Protagonist hat nie existiert. Alle anderen Menschen sind historische Figuren, alle beschriebenen Ereignisse haben tatsächlich stattgefunden. Mein Protagonist ist bei vielen dieser Ereignissen dabei. Er ist einer der Strippenzieher der Macht.

Sehr passend fand ich dann den heutigen Bericht auf tagesschau.de. Dort wird, zum ersten Mal überhaupt, so weit mir bekannt, von der “Bilderberg-Konferenz” erzählt. Ich vermeide bewusst den Begriff “berichtet”, denn es gibt von dort nichts zu berichten. Die Strippenzieher dieser Welt, aus allen Bereichen der Gesellschaft, treffen sich dort zu unverbindlichen trilateralen Gesprächen. Seit 1954 findet diese Konferenz statt - diesmal in Dresden. Bezahlt wird das Ganze von diversen Stiftungen – der Steuerzahler zahlt nichts. Das gibt dem Ganzen einen gewissen privaten Rahmen. Selbstverständlich sind die Teilnehmer aber nicht als Privatleute da, sondern in ihren jeweiligen Funktionen dort anwesend. Die “Bilderberg-Konferenzen” sind ein El-Dorado für Verschwörungstheoretiker.

Noch fantastischer wie jede Verschwörungstheorie ist jedoch die Annahme, dass diese Konferenz überbewertet sein könnte. Natürlich gibt es dort kein Treffen einer geheimen Weltregierung. Natürlich wird dort nicht das nächste 9/11 geplant. Aber es gibt sicher Gespräche und Vorgaben für mittelfristige Handlungen, die viel weitreichender sind, als es der normale Bürger mitbekommt. Als Beispiel möchte ein epochales Ereignis nennen, das vermutlich auf so einer Konferenz in seinen Auswirkungen abgesprochen wurde und jeden Einzelnen betrifft : die Aufhebung des Glass-Steagall Acts 1999 durch Bill Clinton und ähnliche Maßnahmen in Europa in etwa zu derselben Zeit. Das wichtigste Ereignis der letzten Jahrzehnte mit Nachwirkungen auch noch für kommende Generationen.

Eine Verschwörungstheorie muss also nichts theatralisch-apokalyptisches an sich haben. Es ist der Verlauf von Interessen und ihr Ausverkauf an diejenigen, die diese Interessen umsetzen können.

Mein Protagonist jedenfalls wird sich selbst des Ausmaßes seiner Möglichkeiten bewusst, als er auf einer Bilderberg-Konferenz die Vernetzung findet, die es braucht, um Interessen so durchzusetzen, dass sie als Interessen gar nicht mehr erkennbar sind. Sie erscheinen uns dann als das Unabwendbare, als die Reflexion dessen, was die menschliche Natur ausmacht und was ein einzelner Mensch nicht ändern kann. Was für ein Unsinn.

Man sollte Wolfgang Schäuble und Frau v.d. Leyen einfach mal fragen, warum so ein großes Geheimnis um das Geheimnis dieser Konferenzen gemacht wird. Beide nehmen dieses Jahr teil. Sie werden keine Antwort bekommen. Von keinem der Teilnehmer. Und wer macht sich schon die Mühe und liest zahllose Wikileaks Dokumente? – Nur ein Dorfpoet aus Troisdorf. Mit anschließender literarischer Verwurstung.