4. Februar 2015

Richtungsweisend

Sicher ist es gut, wenn man weiß, wo man hin will. Ich zum Beispiel arbeite beständig an einer Art Kartographierung des Abstrakten. Wo liegt der Horizont, den man beständig erweitern möchte? Wo beginnt das Neuland, welches man betritt? Wo geht die Metapher in einen praktischen Nutzen über und wo bleibt sie Worthülse? Die Schleier der Unwissenheit, der Nebel des Vergessens oder das weite Feld … Schleier, Nebel, Weite.

Man kann diese Begrifflichkeiten unendlich fortsetzen. Diese Vokabeln - und nur diese Vokabeln - sind der Fundus der Poesie. Die Triebfeder der Sublimation. Diese Vokabeln sind die Eckpfeiler der inneren Orientierung. Sie schreien nach Bewegung, nach Definition der inneren Vektoren.
Vielleicht ist es eine banale Erkenntnis. Für mich, ist sie bahnbrechend (<- selten hat ein Wort so gut gepasst). Es ist gut, wenn man weiß, wo man hin will. Aber das allein, definiert nur das Ziel und nicht den Weg.
Der Weg allein wird dadurch definiert, zu wissen, wo man nicht hin will. Die vektorale Beschreibung eines Ziel ergibt sich aus der Definition aller Wege, die nicht zu ihm führen. Der richtige Weg ist der, von dem man weiß, dass man ihn gehen wird. Und woher wissen wir das? Nur in Kenntnis aller anderen Wege, die wir nicht gehen wollen.
Mehr noch … zu wissen, wohin man nicht will, impliziert die wesentlichen Entscheidungen, impliziert Selbstreflexion und setzt die innere Beurteilung der Lage, die eigene Fixierung auf der inneren Karte des Lebens voraus. Was ist ein Ziel, was sind die Koordinaten des eigenen Strebens wert, wenn man den eigenen Standpunkt nicht kennt? Was definiert den eigenen Standpunkt? Es ist die Richtung, in die wir schauen und die alle anderen Möglichkeiten vernichtet. Wer in alle Richtungen schauen will, in der Angst, eine wesentliche Möglichkeit zu verpassen, rotiert wie verrückt um die eigene Achse und wird - vorausgesetzt dieser eigene Teufelskreis der unnützen Selbstrotation wird unterbrochen - über die Karte der uns gegebenen Möglichkeiten torkeln, fallen, andere mehr oder minder anstoßen, niederreissen und vielleicht irgendwo aufschlagen, wo er niemals hinwollte.
Der innere Kompass ist das Bewusstsein der gelassenen Möglichkeiten - die innere Orientierung ist das tatsächliche Auslassen der Wege, von denen wir wissen, dass wir sie nicht gehen wollen, egal wer und was uns in diese Wege zwingt.
Wer von sich sagen kann, diesen inneren Kompass wahrhaftig zu besitzen, hat die Chance, seiner Bestimmung wirklich folgen zu können. Den Weg dann auch wirklich zu gehen, nun, dafür sind sehr viel mehr Worte notwendig …